
Jean-Henri Dunant
Wenn man in die mittleren Jahre kommt, kennt man alle Antworten, doch nur höchstselten stellt einem jemand die entsprechenden Fragen!
Erste Schritte, erste Eindrücke
Als erster von 5 Kindern kommt Jean-Henri Dunant am 8. Mai 1829 in Genf zur Welt. Im Sinne des katholischen Glaubens erzogen, geht Dunant zunächst den Weg eines „normalen“ und geschäftstüchtigen Schweizers.
Als er mit ca. 7 bis 8 Jahren bei einem Besuch in Toulon sieht, wie Sträflinge in Ketten ein Schiff entladen müssen, schwört er sich dafür zu kämpfen, dass diese unmenschlichen Behandlungen abgeschafft würden. So kam es, dass er bereits mit 18 Jahren mit Freunden den „Christlichen Verein Junger Männer“ (CVJM) gründete. Die jungen Männer dieser Gruppe trafen sich wöchentlich zu Bibelstudien und halfen gemeinsam hungernden und kranken Menschen. In seiner Freizeit besuchte er Arme und Kranke und erhielt die Erlaubnis der Stadt, die Häftlinge des Stadtgefängnisses mit Lektüren zu versorgen und sich um sie zu kümmern.
Nach einer Lehre in einem Bankhaus entdeckte er auf einer Geschäftsreise nach Algerien einen brachliegenden Landstrich, woraufhin er die Idee hatte, dort Weizen anzubauen und eine Mühlgesellschafft zu gründen. Nach drei Jahren Kampf mit der französischen Bürokratie wurde ihm sein Antrag verweigert.
Von diesem Rückschlag lässt sich Dunant nicht entmutigen und beschließt mit seinem Anliegen direkt vor Kaiser Napoleon III. zu treten. Da sich der Kaiser zu diesem Zeitpunkt in der Schlacht von Solferino befand, reiste Dunant trotz vieler Warnungen dort hin.
Am 25. Juni 1859, ein Tag nach der Schlacht, dort eintreffend, sieht er mit Erschrecken das Elend, dass von der Schlacht übriggeblieben ist. 38.000 Verwundete hatte man zurückgelassen, die nun unter glühender Sonne ihrem Ende entgegensehen konnten.
Ein Mann der die Welt verändert!
Erschüttert von diesem Bild, startet er spontan eine Hilfsaktion. Frauen und Kinder der Umgebung halfen die Verwundeten zu versorgen, ungeachtet ihrer Nationalität und Uniform. Briefe an Freunde und ein Aufruf in der Genfer Zeitung führten dazu, dass auch bald Mittel und Materialien zur Verfügung standen. Allerdings war Dunant auch schnell klar, dass seine Bemühungen nicht reichen würden.
Zurück in Genf verfasste er seine Erlebnisse in dem Buch: „Eine Erinnerung an Solferino“, darin beschrieb er das Leid und Grauen der Schlacht und forderte am Ende des Buches die Gründung von Hilfsorganisationen, die sich im Kriegsfalle um die Verwundeten kümmern sollten.
Dieses Buch ließ er auf eigene Kosten mit einer Auflage von 1.600 Exemplaren selbst drucken und schickte sie an führende Persönlichkeiten aus Politik und Militär.
Seine Idee fand hohen Anklang und so gründete die „Genfer Gemeinnützige Gesellschaft“ eine Kommission um Dunants Vorschläge umzusetzen. Vom 26. Bis 29. Oktober 1863 erarbeitete das „Fünferkomitee“ (bestehend aus Henri Dunant -als Gründer-, General Wilhelm Dufour, dem Juristen Gustav Moynier und den Ärzten Dr. Louis Appia und Dr. Theodor Maunier) in einer Vorkonferenz in Genf Vorschläge zum Schutz der Verwundeten und ihrer Helfer. Als Schutz schlug man eine weiße Armbinde mit einem roten Kreuz darauf vor, die Umkehrung der Schweizer Flagge.
Bestehensprobe
Noch bevor die Konferenz stattfinden konnte, brach ein Krieg zwischen Schlesien auf der einen Seite und Österreich und Preußen auf der anderen Seite aus. Das Rote Kreuz hatte seine erste Bewährungsprobe zu bestehen – und bestand.
Im August 1864 wurde die erste „Genfer Konvention“ – ‚Zur Verbesserung des Loses der verwundeten Soldaten im Felde‘ – von einer diplomatischen Konferenz anerkannt. Es folgten weitere Kriege und die Erkenntnis, dass weiterer Konventionen notwendig waren. Durch diese Gegebenheiten vernachlässigte Dunant seine Geschäfte und verschuldete sich dadurch. Die Schulden wurden so hoch, dass er daraufhin 1867 aus dem Komitee ausscheiden musste.

Später Ruhm
Henri Dunant reiste weiter durch Europa und half unter dem Deckmantel des Roten Kreuz wo er konnte, was allerdings nicht seiner finanziellen Situation beitrug, bis er 1892 nach Obdachlosenasylen und Nächten unter Brücken in Heiden in einem Kantonhospital Aufnahme fand.
Von dort aus schrieb er seine Memoiren und versuchte alle erreichbaren Dokumente zu sammeln, die ihn als Gründer des Roten Kreuzes auswiesen.
Bis dahin unerkannt, traf er 1895 zufällig auf einen Reporter, der nun der Welt mitteilte, dass der Gründer des Roten Kreuzes noch lebte, woraufhin Henri Dunant plötzlich von vielen Seiten finanzielle Unterstützung erhielt. 1901 erreichte er die Spitze seines späten Ruhms, Jean-Henri Dunant bekommt den 1. Friedensnobelpreis verliehen.
Am 30. Oktober 1910 stirbt Jean-Henri Dunant in Heiden, sein Leichnam wird auf dem Friedhof Sihlfeld in Zürich beigesetzt.